Was ist Tai Chi?

Tai Chi ist eine aus China stammende Kampf-, Bewegungs- und Lebenskunst, die heutzutage von Millionen Menschen, egal welchen Alters, praktiziert wird. Langsame, fließende Bewegungen in Stille dienen der Kultivierung von Gesundheit und Entspannung sowie der Meditation. 

Zur Ruhe kommen

Die langsamen Tai Chi-Bewegungen ermöglichen uns inne zu halten, zur Ruhe zu kommen, zu spüren und zu beobachten. Wir finden in uns selbst einen Ruhepol und können diese innere Haltung zunehmend auch in unserem Alltag entdecken.

 

Loslassen

Im Tai Chi entwickeln wir ein Bewusstsein für Anspannung und Entspannung im Körper und im Geist. Eine der Grundideen im Tai Chi - und der größte Unterschied zu anderen Bewegungs- und Sportarten - ist es, dass alle Bewegungen möglichst ohne Kraftaufwand geschehen: Wir erleben nach und nach den Zauber müheloser Kraft.

 

Balance finden

Jede Bewegung ist eine Übung in Balance. Wir geben die Gelenke frei, entspannen alle Muskeln, die wir nicht brauchen und balancieren uns in unsere Mitte. Die Bewegungsabläufe im Tai Chi simulieren Kräfte, die von außen auf uns einwirken und unseren Umgang damit. Egal welche und wieviele Kräfte auf uns einwirken - im Tai Chi üben wir, dabei in Balance zu bleiben und unsere Mitte nicht zu verlieren. Wir entwickeln Gleichgewichtssinn und Koordinationsfähigkeit.

 

Der eigenen Mitte folgen

Im Tai Chi üben wir, jede Bewegung aus unserer Mitte heraus entstehen zu lassen. Alle anderen Teile des Körpers folgen unserer Mitte. Dadurch werden unsere Bewegungen zusammenhängend und stimmig. Sie fühlen sich gut und leicht und lebendig für uns an.

 

Erdung und Aufrichtung

Wenn wir nach und nach Durchlässigkeit im Körper entwickeln, können wir unseren Körper wieder auf natürliche Weise ausrichten und uns von krankmachenden Haltungsmustern befreien. Der Körper findet nach und nach die Struktur, die er braucht, um mit der Erde verwurzelt und gleichzeitig in lebendiger Aufrichtung zu sein. Unsere Körperhaltung kommt in die natürliche Aufrichtung, wir entwickeln Vertrauen, Selbstbewusstsein und Präsenz.

 

Beweglichkeit und Lebendigkeit

Die fließenden langsamen Bewegungen im Tai Chi werden oft mit dem Prinzip des Wassers verglichen: Wasser füllt alle Formen, umfließt alle Hindernisse und behält doch seine Struktur und Richtung. Wasser ist weich, gibt nach und kann ohne eigenen Widerstand den schroffesten Stein rund und weich machen. Es fließt - wie die Tai Chi-Bewegungen - in Wellen- und Spiralformen und hat eine große innere Kraft. Im Tai Chi entwickeln wir langsam diese Qualität der Geschmeidigkeit, die uns - so sagt es die chinesische Medizin - ein langes Leben schenkt.

 

Tai Chi als Lebenskunst

Durch Tai Chi-Partnerübungen, den sog. "Push Hands", wird der Sinn vieler Bewegungen im Tai Chi erst verständlich. Wir entdecken, wie wir mit Kräften von außen umgehen und im Kontakt mit anderen Menschen reagieren. Diese Muster können wir schon bei der leichtesten Berührung wahrnehmen: Gehen wir dagegen? Weichen wir zurück und verlieren unseren Raum? Fühlen wir und wohl oder unwohl. Bleiben wir "mit aller Kraft" stehen - um den Preis großer Anstrengung? Wir entdecken Parallelen in unserem Leben - in der Kommunikation und in Beziehungen mit Freunden, in Familie, Partnerschaft oder im Beruf. Tai Chi ist ein Übungsweg, sich für die Kräfte in einem selbst und von außen zu öffnen, sie anzunehmen und das innere Gleichgewicht zu wahren.

 

 

"Betrachte die Welt als dein Selbst,

habe Vertrauen zum Sosein der Dinge,

liebe die Welt als dein Selbst;

dann kannst du dich um alle Dinge kümmern."

(Laotse)